Wasserwege sind Lebensadern, sind pulsierende Verbindungen zu unserem Ursprung. Das einmal ruinierte Prinzip Wasser verweigert den Zugang auf unsere Herkunft, läßt unsere Sehnsucht nach einem systemischen Eingebundensein ungestillt. Und: Wasserwege sind Wege in die Welt, sind Kommunikationswege. Auf ihnen reisen die Entdecker neuer Welten, auf ihnen werden Güter und Ideen geflößt, Korn gegen den Hunger, Wolle gegen die Kälte, verschiedene Sprachen, die sich vermischen.
Der Ursprung allen Lebens ist das Wasser, die Flüsse sind sein Pulsschlag. Während Seewege und Flüsse noch immer als Transportwege genutzt werden, ist ihre Rolle als Lebens- und Nahrungsspender gefährdet. Ökologische Systeme sind homeostatische Systeme, ihre einzelnen Elemente steuern sich untereinander, um einen stabilen Zustand zu erreichen und zu erhalten.
Menschen sind Teil des Systems. Wir leben in einer wechselseitigen Beziehung zu unseren natürlichen Lebensräumen. Wir prägen Landschaften und sind von ihnen geprägt. Dabei ist diese Beziehung von deutlich unterschiedlichen Zeittakten bestimmt. Während Wasserwege ihr Gleichgewicht über hunderte von Jahren suchen und finden können, stehen dem einzelnen Menschen diese langen Zeitspannen nicht zur Verfügung. Sein Ungleichgewicht zum Lebensraum erlebt er als akutes Unbehagen: als Heimweh oder Sehnsucht nach der Schönheit des vertrauten Lebensraumes. Intakte Lebensräume sind unsere Versicherung gegen Instabilität. Lebensräume erhalten heißt Leben lebenswert erhalten.
"Waterways" ist ein Ergebnis meiner langen Auseinandersetzung mit dem System Wasser, diese Auseinandersetzung ist Anregung und Grundlage für eine Vielzahl meiner jüngeren Arbeiten. Gleichermaßen angezogen von der großen Vision und dem tragischen Verfall, ist einer meiner Ausgangspunkte für "Waterways" der in meiner Heimat Mecklenburg zwischen Bad Kleinen und Wismar verlaufende Wallensteingraben. Andere Impulse für meine Arbeiten erfuhr ich in der Fremde, die ich mir über die großen Wasserwege erschlossen habe.
"Waterways" zeigt eine Störung. Jeder Schiffskapitän, der sich nach meinen Seekarten orientieren will, läuft Gefahr, vom Kurs abzukommen, Eisberge zu rammen. In der Ästhetik von "Waterways" habe ich meine Bildwelt erstellt, wohlwissend, daß meine Farben wasserlöslich sind.